Wie reagieren, wenn der Headhunter klingelt

von Michael Gross

Wenn das Telefon klingelt und ein Headhunter dran ist, kann das Gespräch der erste Schritt zu einem womöglich schon herbeigesehnten Karriereschub werden. Damit es nicht nur bei einem Telefonat bleibt, sollten die Angesprochenen aber auf die richtigen Fragen achten. Personalexperten wissen, woran man ein seriöses Angebot erkennt.

Wie sind Sie auf mich gekommen?“ Das ist die unglücklichste aller Fragen. Die Frage zeige einerseits Unerfahrenheit im Umgang mit Personalberatern, zum anderen Unkenntnis über die Arbeitsweise eines Unternehmens. Beim ersten Telefonat geht es in der Regel nur um die Kontaktaufnahme. Das eigentliche Gespräch findet bevorzugt im privaten Rahmen und damit abseits vom Arbeitsplatz statt.
Hier ein paar Tipps:


Beim ersten Anruf die Bereitschaft zum Zuhören zu signalisieren, selbst, wenn man sich nicht mit dem Gedanken zum Wechsel trägt. Ein Gespräch mit einem Headhunter bietet immer auch die Gelegenheit, seinen eigenen Marktwert zu testen und sich über seine eigenen Stärken und Schwächen klar zu werden.


Gerade die Frage der Mobilität, die häufig gefordert ist, solle zügig, klar und offen beantwortet werden. Mobilität ist oft die größte Hürde und muss von Anfang eindeutig und stimmig sein. Wer am Ende des Prozesses absagt mit dem Argument, dass er nicht mobil ist, hat einen Malus.


Besprechen Sie von Anfang an mit ihrem privaten Umfeld, dass sie ein neues berufliches Angebot haben. Die Familie ist ihr persönlicher Berater und kann wesentlich zur Entscheidungsfindung beitragen.


Es kann auch nicht schaden, Persönlichkeiten des Vertrauens einzuschalten, etwa, um Informationen über das Unternehmen und den angebotenen Job zu bekommen – aber diskret.


Fragen Sie sich zu jedem Zeitpunkt ehrlich, ob das Angebot passt. Lassen Sie sich nicht von einem besseren gehalt oder sonstigen Benefits in dieser Frage ablenken. Ein gutes Gespräch kann auch eines sein, in dem man zusammen mit dem Headhunter feststellt, dass es nicht passt!


Ein guter Headhunter ist auch gut vorbereitet. Deshalb wird er auch in der Lage sein, Auskunft über die Unternehmenskultur zu geben und der Zielperson zu beschreiben, wo für ihn Entwicklungsperspektiven liegen und wo der Mehrwert in der beschriebenen Aufgabenstellung liegt. Auch Fragen nach der künftigen Einordnung in der Firmenorganisation oder zur Geschäftssituation und Marktstellung des Unternehmens dürfen den Headhunter nicht aus der Fassung bringen. Mit Fragen dieser Art zeigen Sie ihre inhaltliche Motivation, ihr Management- und Führungsinteresse.


Oft von hohem Interesse, aber warten Sie damit: Die Frage nach dem Verdienst. Es sollte nicht sofort erkennbar sein, dass sie stark monetär angetrieben sind und inhaltliche Ansprüche hinten anstellen.


Für Headhunter ist es wichtig, ein klares Bild von ihrem Kompetenzprofil und von ihrer Persönlichkeit zu bekommen. Den besten Eindruck machen Kandidaten, wenn sie ihren beruflichen Werdegang knapp und laserstrahlartig Revue passieren lassen, Hintergründe für berufliche Wechsel prägnant beschrieben werden, ebenso wie die zukünftigen konkreten Aufgabestellungen und Herausforderungen.


Das Treffen mit dem Headhunter dient immer auch der eigenen Standortbestimmung. Deshalb sei es auch in Ordnung, wenn aktuell nichts daraus wird. Karriere ist das Produkt von persönlicher Leistung, Netzwerk und Fortune. Deshalb ist es sinnvoll, ein Vertrauensverhältnis zu einer ausgewählten Gruppe von Personalberatern aufzubauen. Denn jeder sollte sich darüber klar sein, dass die schillernde Karriere in einer Firma auch schnell vorbei sein könnte. Ein Führungswechsel oder ein neuer Eigentümer und Sie sind plötzlich außen vor. Dann ist es nicht schlecht, einen Plan B in der Tasche zu haben!


 

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