Wenn möglich bitte wenden! – Unternehmenssprache auf Abwegen

von Stefan Kosak

Jede Kultur hat ihre eigene Sprache. Ebenso verhält es sich mit den verschiedenen Gesellschaftsbereichen, in denen wir uns täglich bewegen. Das Geschäfts- und Arbeitsleben ist einer dieser Bereiche. Hier haben wir es üblicherweise mit einer eigenen Ausdrucksweise zu tun, wobei jeder Wirtschafts- und Unternehmensbereich nochmals über eigene Schlüsselbegriffe und Fachtermini verfügt, die das spezielle Arbeitsumfeld charakterisieren. Einen festen Platz im Vokabular der Unternehmenssprache hat der Ausdruck Human Resources gefunden. Dieser Begriff bezieht sich üblicherweise auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens und findet insbesondere im Kontext der Personalentwicklung Verwendung.

Der geläufige Gebrauch dieser Bezeichnung ist jedoch zu hinterfragen. Für sich genommen erscheinen die beiden Einzelwörter Human und Resources zunächst nicht problematisch. Grund zur Kritik bietet hingegen die Verbindung beider Begriffe zu einem Ausdruck und dessen verbreitete Anwendung im Unternehmensalltag. Während der englische Ausdruck Human auf menschliche Individuen verweist, wird der Ausdruck Resources für Gewöhnlich mit Gebrauchsgegenständen in Verbindung gebracht. Hier liegt nun der Kern des Problems. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens, sowie Personen im Allgemeinen, sind nämlich keine Gebrauchsgegenstände.

So ist die Verwendung des Human Resources Begriffs auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar, da auf diese Weise die Bedeutung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg herausgestellt werden soll. Man sollte sich jedoch vor Augen führen, dass hierdurch – ganz unterbewusst – eine Perspektive eingenommen wird, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Menschen nicht gerecht wird. Auch wenn zwischen der Ausdrucksweise und dem Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kein unmittelbarer Zusammenhang bestehen mag, sollten doch die langfristigen Konsequenzen für die Führungskultur und die Beschäftigungspolitik eines Unternehmens berücksichtigt werden. Denn Sprache beeinflusst die Realität!

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