Weniger Empathie wagen!

Die meisten Recruiter sind überzeugt, dass Empathie ihr Unternehmen erfolgreicher macht. Stimmt das? Eine Provokation.

Längst ist Empathie zum Schlüsselwort in den Anforderungsprofilen und Stellenbeschreibungen der Unternehmen geworden. Dahinter steckt die Annahme, jeder Mitarbeiter identifiziert sich stärker mit dem Unternehmen und seiner Aufgabe, sobald man ihm manchmal versichert, wie sehr man seine Situation „fühlt“.

Das Beschwören der Tugend, sich in andere einfühlen zu können, gehört für den modernen Manager zur conditio sine qua non. Dabei handelt es sich um eine außerordentlich banale Eigenschaft, mit der sich die meisten Menschen gar nicht schwertun. Wir alle verfügen über die Fähigkeit, uns in andere hineinzudenken, zwischen den Zeilen zu hören, Emotionen wahrzunehmen. Empathie ist deshalb kein universales Wundermittel im sozialen Umgang miteinander. Von Managern dürfen wir etwas Anderes erwarten, nämlich Festigkeit und Lösungen, nicht emotionale Komplizenschaft!

Empathie hat sogar einen gefährlichen Mangel. Sie macht nicht offen im Erkennen größerer Zusammenhänge. Empathie reagiert auf Einzelfälle. Man kann nicht mit vielen Menschen oder sogar allen empathisch sein. Die Sanierung eines Unternehmens bspw. lässt sich mit Empathie nicht lösen, sondern mit Vernunft und dem Erkennen von nachhaltigen Veränderungen der Marktmechanismen, die für alle Unternehmen gelten. Vor allem in Krisensituationen ist vorausschauendes Handeln des Managements gefragt, mag einem der Untergang eines Unternehmens nun ans Herz rühren oder nicht. Es ist nicht Empathie, die ein Unternehmen vor wirtschaftlichem und technologischem Wandel retten kann, sondern die gute alte Vernunft. Das Interesse am Wohlergehen der Menschen sollte auf Einsicht und dem vernünftigen Mitgefühl beruhen, was langfristig am besten für das Ganze ist?

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