Ist das nachhaltig oder kann das weg?

von Stefan Kosak

Der Begriff der Nachhaltigkeit scheint zu einer gesellschaftlichen Modeerscheinung geworden zu sein. Beinahe alles, was beansprucht relevant zu sein, bekommt das Prädikat „nachhaltig“ versehen. So werden nachhaltig produzierte Baumwolle oder nachhaltige Bio-Bananen angepriesen. Zugleich ist aber auch von nachhaltigem Wachstum und nachhaltigen Autobahnen die Rede.

Wenn ein Begriff derart inflationär gebraucht wird, ist das jedoch nicht unproblematisch. Zunächst wird auf diese Weise zunehmend unklar, was eigentlich gemeint ist, wenn derart unterschiedliche Phänomene mit dem Begriff der Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht werden. Wenn dann die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs miteinander vermischt werden, kann sich hieraus auch schnell ein gewisser Orientierungsverlust ergeben. Exemplarisch hierfür stehen Situationen in denen von einer nachhaltigen Gewinnerwartung die Rede ist. Oftmals entsteht hier der Eindruck, dass besondere Standards erfüllt werden, während eigentlich nur eine langfristig positive beziehungsweise beständige Gewinnentwicklung gemeint ist. Unternehmen, die gezielt auf sprachliche Verwirrungen dieser Art setzten, werden zudem schnell mit dem Vorwurf des Greenwashings konfrontiert, worunter schließlich deren Glaubwürdigkeit leidet. Sollten wir uns von der Nachhaltigkeit also nicht besser verabschieden?

Dies erscheint insofern nicht sinnvoll, da mit der Rede von Nachhaltigkeit neben all der Verwirrung ein wichtiges Anliegen verbunden ist. Es geht darum, den Schutz der elementaren Lebensgrundlagen innerhalb der Vielzahl von gesellschaftlichen Interessen und Vorstellungen ausreichend zur Geltung zu bringen. Ein gesicherter Zugang zu Trinkwasser und Nahrungsmitteln ist dabei ebenso zu den elementaren Lebensgrundlagen zu zählen wie die Verfügbarkeit von Ressourcen, welche die Grundlagen des wirtschaftlichen Handelns darstellen. Der Begriff der Nachhaltigkeit erscheint in diesem Zusammenhang sehr geeignet, um das Ziel, diese Existenzbedingungen zu sichern, global und generationenübergreifend in den Blick zu nehmen. Das Konzept der Nachhaltigkeit wird so zu einer Orientierungsgröße, die zusammen mit anderen den Rahmen des gesellschaftlichen und damit zugleich des unternehmerischen Handelns absteckt.

Die Forderungen die mit dem Begriff der Nachhaltigkeit verbunden sind, müssen hierbei nicht per se als Einschränkungen wahrgenommen werden. Vielmehr kann das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung auch eine Chance darstellen, da es einen willkommenen Anstoß bietet, neue Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven auszuloten. Dies gilt sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Unternehmen, die sich eine nachhaltige Entwicklung auf die Fahne schreiben, können etwa erfolgreich sein, indem sie sich durch innovative Produkte, die durch neue Materialien oder Produktionsweisen bestechen, von ihren Mitbewerbern absetzen.

Nachhaltigkeit kann in diesem Sinne als Auftakt für einen Entwicklungsprozess verstanden werden, der sämtliche Lebens- und Gesellschaftsbereiche betrifft. Veränderungen in einem Bereich ziehen hierbei Anpassungen in anderen Bereichen nach sich, so dass zahlreiche Wechselwirkungen entstehen. Die Chance liegt darin, diese weitreichenden Zusammenhänge und (unternehmerischen) Handlungsoptionen zu erkennen und aktiv zu gestalten, denn so können sich attraktive Zukunftsperspektiven ergeben. Die Unternehmen sind in diesem Zusammenhang mit ihrem kreativen Potenzial ganz besonders gefordert, da die Nachhaltigkeitsziele mutmaßlich nur dann umsetzbar sind, wenn die entsprechenden Zukunftsperspektiven attraktiv erscheinen.

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