Geld regiert die Welt? – Finanzielle Anreize im Fokus

von Stefan Kosak

Die Ökonomie ist auf dem Vormarsch. Wirtschaftliche Vorstellungen und Begriffe kommen nicht mehr länger nur in ökonomischen Kontexten zum Tragen, sondern erhalten zunehmend auch Einzug in andere Lebensbereiche. Dies zeigt sich etwa daran, dass bezüglich der Partnersuche mittlerweile häufig vom Heiratsmarkt die Rede ist. Die Beliebtheit von finanziellen Anreizen ist in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse.

Das grundlegende Prinzip von finanziellen Anreizen ist einfach. Gemäß der ökonomischen Theorie ist das menschliche Entscheidungsverhalten von einer Abwägung zwischen Kosten und Nutzen geprägt, wobei stets diejenige Alternative ausgewählt wird, die den größten Gesamtnutzen verspricht. Hieran schließt nun folgende Idee an: Möchte man ein bestimmtes Verhalten herbeiführen, gilt es die Kosten- und Nutzenstruktur der Handlungsoptionen entsprechend zu beeinflussen. Dies lässt sich auf relativ einfache Weise erreichen, indem die gewünschte Verhaltensweise mit einer finanziellen Belohnung verbunden wird. Aus ökonomischer Perspektive ist dies eine Win-win-Situation: Die Beteiligten haben weiterhin die Freiheit gemäß ihrer eigenen Vorlieben zwischen verschiedenen Alternativen zu entscheiden, während die gewünschten Handlungsweisen herbeigeführt werden.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da finanzielle Anreize üblicherweise eine extrinsische Handlungsmotivation darstellen. Sobald also die finanzielle Belohnung einer bestimmten Handlungsweise wegfällt, fehlt auch das entscheidende Motiv diese Handlung weiter zu verfolgen. Dies zeigt sich etwa, wenn Personen dafür bezahlt werden, das Rauchen aufzugeben oder abzunehmen und es nach Beendigung des Belohnungsprogramms zu Rückschlägen kommt. Die Wirksamkeit finanzieller Anreize scheint somit eingeschränkt, da auf diese Weise keine stabilen Verhaltensdispositionen ausgebildet werden. Weiterhin besteht die Gefahr, dass finanzielle Anreize andere Handlungsmotive verdrängen. Dies ist etwa der Fall, wenn Leistungen, die zuvor freiwillig erbracht wurden, mit einer Prämie oder einer Bonuszahlung belohnt werden. Fällt dieser finanzielle Anreiz einmal weg, lässt sich oftmals ein Rückgang der Leistungsbereitschaft beobachten, da das finanzielle Motiv zur Gewohnheit geworden ist und die inneren Handlungsantriebe verdrängt hat.

Abgesehen von der Wirksamkeit gibt es einen weiteren Grund, aus dem Vorsicht gegenüber der Anreizpraxis geboten ist. Finanzielle Anreize verändern für gewöhnlich die Einstellung der Beteiligten gegenüber der betreffenden Handlung. Werden etwa Schulkinder für das Lesen von Büchern mit kleinen Geldbeträgen belohnt, mag dies zumindest kurzfristig zu einer Steigerung des Leseumfangs führen. Das Lesen wird auf diese Weise jedoch zu einem Tauschgeschäft reduziert, sodass die Kinder das Lesen nicht als sinnstiftende Tätigkeit sondern stattdessen als Verdienstmöglichkeit begreifen. Der eigentliche Wert des Lesens geht auf diese Weise jedoch verloren. Ähnlich verhält es sich, wenn Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Umsetzung der Compliancevorgaben und den Besuch der entsprechenden Schulungen einen Bonus bezahlen. Das Handeln im Einklang mit den Unternehmenswerten wird auf diese Weise zu einer zusätzlichen Verdienstmöglichkeit. Unabhängig davon, ob ein solches Vorgehen wirksam ist, wird dies der Sache schlichtweg nicht gerecht.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass finanzielle Anreize kein Allheilmittel sind, um gewünschte Handlungsweisen herbeizuführen – mögen damit auch noch so gute Absichten verbunden sein. Nicht nur die Wirksamkeit der entsprechenden Maßnahmen spielt hierbei eine Rolle, sondern auch der Umstand, dass finanzielle Anreize die Einstellungen gegenüber den entsprechenden Handlungen verändern.

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