Erfolgsfaktor: Glück!

von Stefan Kosak

Gerade ist es wieder passiert: Eine Sportmannschaft, die in der Vergangenheit große Erfolge gefeiert hatte, geriet beim nächsten wichtigen Wettbewerb unter die Räder, obwohl doch die Erwartungen von Fans und Experten weitaus höher gewesen waren. Der Misserfolg rief zahlreiche Kritiker auf den Plan, die eine falsche Taktik des Trainers, die fehlende Körpersprache der Spieler, einen Mangel an Führungsfiguren oder den nachlassenden Erfolgshunger der Mannschaft als Ursache für das Scheitern ausmachten. Schnell wurden personelle Konsequenzen und ein neues Erfolgskonzept für die Zukunft gefordert.

Diese Geschichte ist fast schon ein alter Hut. Gleich ob es um das Abschneiden von Sportmannschaften oder die Umsatzzahlen von Unternehmen geht – die Muster gleichen sich. Erste Erfolge wecken große Erwartung. Die Beteiligten werden daraufhin für ihr strategisches Geschick, ihre Begabung oder ihre Führungsstärke gelobt. In der Folgezeit tritt jedoch Ernüchterung ein, da sich die Erfolge nicht wie erwartet einstellen. Dies ruft umfangreiche Analysen auf den Plan, die die Ursachen für das Scheitern hervorbringen sollen. Nicht selten werden schließlich Gegenmaßnahmen in Form von Personal- und Strategiewechseln eingeleitet. Und dieser Aufwand zahlt sich aus – die Ergebnisse werden besser.

Die Suche nach Erfolgsgründen oder Ursachen für das Scheitern hat nur einen Haken – sie beruht auf einem Irrtum. Dieser Irrtum besteht darin, dass die Rolle des Zufalls nicht angemessen berücksichtigt wird. In unseren Erzählungen von Erfolg und Misserfolg kommen vorwiegend die Entscheidungen, oder die persönlichen Qualitäten der Beteiligten zum Tragen. Die Ergebnisse unsere Bemühungen sind aber immer auch vom Zufall abhängig, da wir gewisse Einflussfaktoren nicht kontrollieren können. Und wie es eben typisch für den Zufall ist, fällt dieser mal zu unseren Gunsten und mal zu unserem Nachteil aus. Der Zufall ist damit ein wichtiger Bestandteil jeder angemessenen Erfolgsformel, da die entsprechenden Resultate stets einer gewissen Schwankung unterliegen.

Vor diesem Hintergrund wird nun aber eines ganz deutlich: Diejenigen, die einen großen Erfolg erzielt haben, verfügen nicht nur über ein überdurchschnittliches Leistungsvermögen, sondern hatten mutmaßlich auch das Glück auf ihrer Seite. Da das Glück jedoch nicht dauerhaft anhalten wird, macht es dies wahrscheinlich, dass die Resultate in der Folgezeit weniger günstig ausfallen. Ein Torjäger, der in einer Saison außergewöhnlich viele Tore geschossen hat, wird in der darauffolgenden Spielzeit wahrscheinlich weniger Tore auf seinem Konto verbuchen, da er schlichtweg weniger vom Zufall begünstigt sein wird. Diese Konstellation muss nicht zwangsläufig eintreten, es ist jedoch wahrscheinlich. Der beobachtete Leistungsabfall hat dann aber nichts mit seinen Qualitäten als Torjäger zu tun, sondern ist vielmehr auf den Einfluss des Zufalls zurückzuführen. Dies gilt auch für Fälle, in denen eine unterdurchschnittliche Leistung erzielt wurde. Hier ist es wahrscheinlich, dass der Betroffene einfach Pech hatte, so dass sich in der Folge wieder eine Verbesserung einstellt.

Diese Zusammenhänge sind in der Statistik als Regression zur Mitte bekannt und stellen unseren Umgang mit Erfolg und Misserfolg deutlich in Frage. Die Suche nach Erfolgsgründen und Ursachen für den Misserfolg ist demnach oftmals verfehlt, da sich hinter den beobachteten Phänomenen lediglich statistische Gründe verbergen. Wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit ein außergewöhnlich gutes Ergebnis erzielt hat, ist davon auszugehen, dass hier auch Glück mit im Spiel war und sich in der Folge bei gleichbleibender Leistungsfähigkeit auch wieder schwächere Ergebnisse einstellen werden. Übertriebene Lobeshymnen auf der einen Seite, sowie Schuldzuweisungen auf der anderen Seite werden der Sache dann aber nicht gerecht, da man auf diese Weise nach kausalen Zusammenhängen sucht, wo nur Statistik und Zufall sind.

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